Die Himmel erzählen die Ehre Gottes. (Psalm 19,2)

So wird Großschönaus neue Orgel aussehen

Orgelneubauten sind sehr selten geworden. Für die Kirche in Großschönau werden die Pläne jetzt konkret – und teuer. Sie wird vergleichsweise schlicht und modern aussehen, die neue Orgel für die Großschönauer Kirche. So hat man sich im Ort entschieden, und damit ist auch Ludwig Ritter zufrieden. „Welche Epoche hätte man denn nachbauen sollen?“ fragt der 70-Jährige, der Mitglied im Förderverein und im Kirchenvorstand ist. Denn immer wieder ist die Großschönauer Kirche umgebaut worden. Und auch die Orgeln wechselten. Die letzte Orgel stammt aus den Jahren 1947 bis 1949. Warum so kurz nach dem Krieg ein neues Instrument eingebaut werden musste, weiß man heute nicht mehr zu sagen. Dabei war das Vorgänger-Instrument damals erst rund 50 Jahre altHeute ist es so, dass die Orgel dringend repariert werden müsste. Das aber würde zu viel Geld kosten, um wirklich sinnvoll zu sein. Das jetzige Instrument ist in den Nachkriegsjahren aus Teilen von sechs verschiedenen Orgeln zusammengebaut worden, und zuletzt wurden nur noch die nötigsten Reparaturen vorgenommen, damit die Orgel weiter bespielt werden kann. Die Technik ist in die Jahre gekommen, und die Kirchgemeinde hat entschieden, ein neues Instrument anzuschaffen.

 

 

Das ist nicht einfach, denn die vielgerühmte „Königin der Instrumente“ ist aufwendig herzustellen und entsprechend teuer. 450000 Euro kostet die neue Orgel für Großschönau. Schon lange sammelt man im Ort Spenden für das Vorhaben. Jetzt sieht nicht nur Ludwig Ritter eine Etappe erreicht, in der das Ziel erreichbar scheint – und in der auch etwas vorgezeigt werden kann. Also wurde den Großschönauer Christen am Sonntag im Gottesdienst ein Modell der neuen Orgel gezeigt.

 

Sie wird völlig anders aussehen als die bisherige. Zunächst fällt die Aufteilung der sichtbaren Pfeifen weg. Bislang sind einige an die Empore montiert, und dort steht auch der Spieltisch der Orgel. Das neue Instrument wird alles an einem Platz vereinen. Das ist auch der Funktionsweise geschuldet, denn die Orgel wird wieder mechanisch arbeiten. Die Zeit elektro-pneumatischer Arbeitsweise ist vorbei. Die Orgel ist schlicht gehalten, zeigt sich in hellem gestrichenen Holz – und bringt mit dezenten roten Flächen auch ein wenig neue Farbe in den Kirchenraum. Man befinde sich schließlich im Jahr 2012, und das dürfe man der neuen Orgel auch ansehen, meint Ludwig Ritter. Das neue Instrument hat 34 Register, mit denen unterschiedliche Klangfarben erzeugt werden können, und ein sichtbares sogenanntes Schwellwerk. Dabei verschließen Klappen den Bereich der Pfeifen, sodass der Klang gedämpft wird. Das werden die Kirchenbesucher künftig mitverfolgen können.

Orgelneubauten sind etwas sehr Besonderes in der Region. Große Orgeln wurden zuletzt 1994 in Ebersbach und 1992 in Löbau geweiht – dort hat es vor wenigen Tagen erst ein Festkonzert zum20.Geburtstag der Eule-Orgel gegeben. Doch normalerweise sind die Kirchgemeinden – nicht zuletzt wegen der enormen Kosten – bestrebt, bestehende Instrumente zu erhalten. So geschieht es derzeit beispielsweise in der Zittauer Johanniskirche. 2011 allerdings stellte die Waditzer Firma, die bald auch in Großschönau baut, eine kleine Orgel fertig, die in die Löbauer Friedhofskapelle eingebaut wurde.

In Großschönau geht es nun darum, weitere Spenden zu sammeln für das große Vorhaben. Aber man sei auch für Hinweise dankbar, woher man vielleicht noch Geld für die neue Orgel herbekommen könne, sagt Ludwig Ritter, der zwar kein Orgelbauer ist, aber sein Leben lang in Seifhennersdorf Klaviere gefertigt hat.

An der Orgelempore, dort, wo bislang noch Pfeifen montiert sind, wird danach übrigens keine leere Fläche bleiben. Zwei Bildmotive, die jetzt etwas versteckt angebracht sind, sollen sichtbarer nach vorn rücken, erklärt Ludwig Ritter. Die Motive sind zwei von 39 Bildern, die Themen aus dem Alten und Neuen Testament der Bibel darstellen, und schmücken die ganze erste Empore.

280000 Euro sind schon zusammengekommen, auch Fördermittel sind hier schon eingerechnet. Die Differenz muss noch aufgebracht werden, aber ein erster Zeitplan steht schon: Im nächsten Jahr soll der Rückbau der alten Orgel erfolgen, sie soll aber noch funktionstüchtig bleiben. Nach dem Osterfest 2014 soll sie dann endgültig entfernt werden und Platz für den Neubau machen. Dann werden die Gemeindeglieder und Kirchenbesucher in tatsächlicher Größe sehen, was jetzt auf einem in Bautzen gefertigten Modell visualisiert wurde: Die neue Orgel für die Großschönauer Kirche.

Weitere Informationen und ein Spendenkonto gibt die Kirchgemeinde im Internet bekannt. www.kirche-grossschoenau.de

Quelle: Sächsische Zeitung vom 25.10.2012 Autor: Gabriel Wandt / Foto: Thomas Knorr (SZ)