Pflüget ein Neues und säet nicht unter die Dornen! (Jeremia 4,3)

Die Geschichte der Großschönauer Glocken

Nach Fertigstellung der Kirche 1705 wurden zunächst die drei Glocken aus der alten Kirche übernommen. Die kleine Glocke, die aus dem 15. Jahrhundert stammt, musste auf Grund des starken Verschleißes 1718 eingeschmolzen und neu gegossen werden. Die große Glocke, die schon 1694 umgegossen wurde, weil sie im Jahr zuvor zersprungen war, bekam während des Pfingstläutens am 21. Mai 1752 erneut einen Riss. Die Stadt Zittau machte der Gemeinde Großschönau den Vorschlag neue Glocken zu finanzieren, wenn die Gemeinde bei jedem Läuten einen Geldbetrag an die Stadt Zittau entrichtet. Dieses Angebot lehnte die Kirchgemeinde ab und ließ ihrerseits zwei neue Glocken in einer Gießerei in Dresden herstellen. Dazu wurden die kleine und die große Glocke eingeschmolzen. Die beiden neugegossenen Glocken waren größer und schwerer als ihre Vorgänger, deshalb wurde die bisherige mittlere Glocke, die einzige, die noch aus dem 15. Jahrhundert stammt, zur Kleinen Glocke.

Am 17. September 1752 fand die feierliche Glockenweihe statt, bei der auch vier Abgeordnete des Rates Zittau zur Begutachtung der Glocken anwesend waren. Die Großschönauer hatten sich damit selbst ein Geläut geschaffen, was sie unabhängig machte von der Stadt Zittau. Die Stundenglocke, auch Uhrschelle genannt, wurde 1848 mit dem Einau der Uhr in die Turmkuppel gehangen. Sie schlägt die Stundenzahl, während die Viertelstunden von der kleinen Glocke geschlagen werden. Bis heute zeigt diese Glocke den Großschönauern an, was die Stunde geschlagen hat. Der Kirchenvorstand veranlasste 1913 eine Reparatur des Glockenstuhls. Dabei wurden die Glocken umgehangen, weil der Mantel der Glocken durch den ständigen Anschlag schon ordentlich gelitten hatte. Gleichzeitig wurde auch das Läutewerk erneuert, wodurch es jetzt möglich wurde, alle drei Glocken von einer Person in Bewegung zu setzen. Nur vier Jahre konnte sich die Kirchgemeinde an dem umgebauten Geläut erfreuen, da 1917 die große und mittlere Glocke zu Kriegszwecken abgeliefert werden mussten. Die kleine Glocke wurde dann 1919 ebenfalls noch abgegeben. Die Kirchgemeinde bekam eine Entschädigung für alle drei Glocken in Höhe von 7 400 Mark. 

Nach Kriegsende bemühte sich der Kirchenvorstand sofort um ein neues Geläut. Da Bronze in dieser Zeit nicht zu beschaffen war, ließ man drei Glocken aus Stahlguss herstellen. Die große Glocke hat ein Gewicht von 1900 kg und einen Durchmesser von 166,5 cm. Die mittlere Glocke ist 900 kg schwer und hat einen Durchmesser von 131,3 cm während die kleine Glocke 500 kg wiegt und 108,5 cm im Durchmesser misst. Da die Glocken größer und schwerer waren als ihre Vorgänger, musste auch ein neuer Glockenstuhl errichtet werden. Am Samstag den 18. Oktober 1919, dem Kirchweihtag, war Glockenweihe und am Sonntag den 19. Oktober riefen die neuen Glocken die Gemeinde das erste Mal zum Gottesdienst. 

Seit 1971 werden unsere Glocken nicht mehr per Hand, sondern durch drei Läutemaschinen betrieben. Die vorläufig letzte größere Reparatur an der Glockenanlage war im Jahr 2001, als das Joch der großen Glocke erneuert werden musste, da das alte gerissen war.