Der HERR wird Zion wieder trösten. (Sacharja 1,17)


Wenn ich nur wöllte wie ich könnte...

Tagesimpuls für den 8. April

Liebe Gemeindeglieder und Gäste,
Unser Tagesvers steht im 51. Psalm, einem Bußgebet. Der Prophet Nathan hatte David nach dem „Fall Bathseba“ die Augen für die Tiefe seiner Schuld geöffnet. Und David bittet um Vergebung und Neuanfang. Seine Worte sind in unsere Liturgie eingegangen: „Schaffe in mir Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, gewissen Geist. Verwirf mich nicht, von deinem Angesicht und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir.“ (V. 12+13) Vor jedem Abendmahl singen wir diese Worte als Bußgebet. Und direkt nach diesen Versen steht die heutige Losung: „Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe, und mit einem willigen Geist rüste mich aus.“ (V. 14) Dass wir uns über erhaltene Hilfe freuen, ist klar. Doch was ist mit einem „willigen Geist“ gemeint? Vielleicht fragte sich David ja nach seinen Untaten: Wie ist es eigentlich möglich, dass ich in Zukunft anders handle? Ihm war klar, dass er dazu einen erneuerten Willen braucht, und zwar einen der von sich aus auf Gott ausgerichtet ist. Es geht ihm um einen Geist, der Gottes Wege bereitwillig geht.
Über den Willen und ob er frei ist, oder nicht, haben sich die Philosophen aller Zeiten den Kopf zerbrochen. Einer von ihnen hieß Arthur Schopenhauer. Und dieser hat eine aufschlussreiche Unterscheidung getroffen: Wir können zwar sehr oft tun, was wir wollen – zum Beispiel nachher noch einen schönen Film schauen –, aber wir können eben nicht wollen, was wir wollen. Was er damit meint? Stellen wir uns unseren Willen einmal als ein Kind im Einkaufscenter vor. Geschäft reiht sich an Geschäft: Spielwaren, Zoohandlung, Süßigkeitenladen, Springbrunnen, Toilette… Das Kind darf aber nur eine dieser Stationen ansteuern! Was wird geschehen? Ist doch klar: Das Ziel mit der größten Anziehungskraft wird gewinnen. Und so, sagt Schopenhauer, verhält es sich auch mit unserem Willen, er ist Einflüssen ausgesetzt und der stärkste gewinnt. – Alle, die sich freiwillig hinsetzen und lernen, werden jetzt darauf verweisen, dass sie doch in der Lage waren, ihren eignen Willen so zu beeinflussen, sich zu überwinden und zu pauken. Unser Philosoph würde sagen: Pustekuchen! Die Angst vor der verhauenen Prüfung hatte mehr Kraft auf deinen Willen, oder die mahnenden Eltern, oder die spätere Berufsaussicht, oder der Wunsch nach Anerkennung, oder… .
Wenn David um einen „willigen Geist“ bittet, betet er im Grunde darum, dass Gott zur größten Anziehungskraft in seinem Leben wird. Der eigene Wille soll nicht mehr wie ein schwankendes Schilfrohr jedem Wind ausgeliefert sein, sondern ausgerichtet auf Gott. Wie geht das? Das lässt sich nicht machen, darum lässt sich nur bitten, so wie es kurz zuvor heißt: „Schaffe in mir Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, gewissen Geist. Einen "willigen Geist" kann nur Gott schaffen. Das wird im Vers vor unserer heutigen Losung dadurch unterstrichen, indem ein besonderes Wort verwendet wird: das Wort, das hier für „schaffen“ steht, das bleibt im Alten Testament allein Gott vorbehalten. Die Hebräer kennen also einen Unterschied zwischen dem, was Menschen tun können und dem, was nur Gott „schaffen“ kann.
Seinerzeit hat Schopenhauer den ersten Preis mit seiner Schrift zur Frage der Willensfreiheit gewonnen. Meine Preisfrage an Sie: Wenn Sie sich das Gebet von David von Herzen zu eigen machen: „Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe, und mit einem willigen Geist rüste mich aus.“ wessen „Anziehungskraft“ könnte da beim Händefalten schon am „Schaffen“ sein?
Herzlich grüßt Sie, Ihr Pfr. Gerd Krumbiegel

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