Freu dich, wenn du einen Glückstag hast. Und wenn du einen Unglückstag hast, dann denke daran: Gott schickt dir beide, und du weißt nicht, was als Nächstes kommt. (Prediger 7,14)


Leerlaufen oder Glänzen?

Andacht zur Christvesper in Hainewalde und zum Weihnachtskonzert in Großschönau 2022
Von Pfr. Gerd Krumbiegel

Liebe Gemeinde, liebe Gäste,
Wir feiern Weihnachten und die zentrale Botschaft der Engel lautet: "Euch ist heute der Heiland geboren!" Und das ist Grund zur Freude: In der Geburt Jesu kommt uns Gott selbst ganz nahe. Möglicherweise suchen wir in diesem Jahr stärker als in den Jahren zuvor nach Lichtblicken. Das, was uns zu schaffen macht, umringt uns wie eine dunkle Bergkette und nimmt uns die Sicht zum Himmel und den Blick zum Licht. Wie wichtig ist es da, dass das Dunkel nicht die Oberhand behält. Und im Grunde ist genau das die Botschaft von Weihnachten, Gottes Licht, das Licht seiner Hoffnung und Liebe, bleibt nicht in unerreichbarer Ferne; sein Licht kommt in den dunklen Stall von Bethlehem und damit auch in die dunkelste Ecke deines und meines Lebens. Und hier wendet sich der Blick weg von den Kummerbergen, hin zu dem, was an der Krippe geschehen kann. Denn hier sind wir willkommen, egal an welchem Dunkel wir tragen. Davon erzählt auch die folgende Geschichte:

"Es war bitter kalt. Die Hirten wärmten sich am Feuer. Die Nachricht vom neugeborenen König beschäftigte sie. Sie wollten ihn gern sehen, ihn, von dem sie Rettung und Frieden erwarteten. Auch der kleine Hirte Philipp trat näher und hörte zu. Alle überlegten, was sie dem Kind in Bethlehem schenken könnten. Aber, so fragten sie sich untereinander, wer bleibt bei den Schafen? Die können sie doch nicht alleine lassen! Da kam einer der Hirten auf eine Idee: Derjenige muss da bleiben, dessen Geschenk am leichtesten ist.
  Sogleich stellten sie eine Waage bereit.
Und dann kamen die Gaben. Einer brachte einen Krug mit Milch und legt noch einen Käse dazu. Ein anderer brachte einen Korb mit duftenden Äpfeln. Der Dritte schleppte ein Bündel Holz dabei, damit sich alle im Stall wärmen können. Da blieb nur noch der kleine Philipp übrig.
  Philipp hat aber nur eine Laterne mit einem winzigen Licht. Das wiegt nicht viel. Er überlegt. Dann aber steigt er selbst mit der Laterne in der Hand auf die Waage und sagt: „Ich komme als Geschenk dazu! Der neugeborene König wird vor allem Leute brauchen, die sein Licht weitertragen.“
    Da wird es still ums Feuer. Die Hirten schauen nachdenklich auf den kleinen Philipp. Sie denken über seine Worte nach. Sie spüren: Der darf auf keinen Fall zurückbleiben.(1)

Liebe Gemeinde,
diese Geschichte mit dem Licht des Hirtenjungen erinnert mich an eine Beobachtung, die wahrscheinlich jeder schon gemacht hat. In der Adventszeit holen wir die Pyramiden heraus, zünden sie an und lassen sie drehen. Nun gibt es auch eine recht schmucklose Möglichkeit, eine Pyramide in Gang zu setzen, selbst ohne Kerzen; und zwar, indem man sie einfach auf die Heizung stellt. Die warme aufsteigende Luft lässt sie drehen, fast sogar rennen. Doch je länger man eine so rennende Pyramide betrachtet, desto trauriger wirkt sie. Die Bewegung bleibt zwar die gleiche, aber es gibt keinen Glanz, der erstrahlt; es gibt kein Licht, das durch die Flügel der Pyramide tanzende Muster aus Licht und Schatten an die Decke wirft. Eine solche „Heizungspyramide“ ist reduziert auf die bloße Mechanik, das Wesentliche fehlt. – Ich habe mich gefragt: Ist das nicht auch ein Vergleich für uns in diesen Tagen? Äußerlich funktionieren wir noch gut, wir drehen uns um die Festvorbereitungen, wir erledigen unsere Arbeit, aber wir gleichen eher solchen, die nur von außen angetrieben werden; der Glanz, das innere Strahlen ist fort, angesichts manch verlorener Zuversicht drehen wir leer.
  Wie kann das anders werden? Der Hirtenjunge macht es vor.
Zunächst ist die Adresse entscheidend: das Kind in der Krippe, Christus, der Herr. Ohne ihn wird es nicht Weihnachten. Da kann ich an noch so vielen Orten suchen; da kann ich mich in der Geschenke-Material­schlacht behaupten, ohne IHN dreht Weihnachten leer.
  Und es mag sein, dass es nicht zuerst darauf ankommt, was wir bekommen, sondern, was wir geben. Darum mach es, wie die Hirten:
  Verschenke, was wie Holz ist für dich, das wärmt: Schenke eine kleine Spanne deiner Zeit. Liebe, die dauert. Einen guten Gedanken.
  Verschenke, was wie Äpfel für dich ist: Dein Staunen. Und die Gabe im Kleinsten das Größte zu sehen.
  Verschenke, was wie Licht ist: Mitleid, Trost und Erbarmen. Die Kraft, zusammen eine Durststrecke durchzustehen. Den Mut, zu glauben.(2)
  Verschenke dein Leben an das göttliche Kind in der Krippe und du gewinnst das Leben; ein Leben, durch das Gott mit dir geht. Mach es wie der Hirtenjunge und sage zu Gott: „Ich komme als Geschenk dazu!“ Und die Pyramide deines Lebens bekommt neues Licht. Amen.

Verwendete Literatur
(1) Willi Hoffsümmer, Das besondere Geschenk, in: Ders., 77 Weihnachtesfenster. Geschichten, die das Herz berühren, Patmos 2020, S.80f. (2) Der Abschnitt, der vom Verschenken erzählt, ist hier an die Hirtengeschichte angepasst und wurde angeregt durch den Text von Inge Müller, "Verschenke, was nur du geben kannst", in Dies., Im Advent die Stille spüren, Kaufmann 2011, S. 91.

Ev.-Luth. Kirchgemeinde Großschönau 
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02779 Großschönau
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Pfarrer Gerd Krumbiegel
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Pfarrerin Christin Jäger
ist bis Dezember in Elternzeit.
Kontakt ist derzeit nur über Mail möglich:
Christin.Jaeger@evlks.de

 
Öffnungszeiten des Pfarramtes
Großschönau, Hauptstraße 55: Di. und Do. 8.30 – 12.00 Uhr
und 14.00 – 17.30 Uhr
Hainewalde, Bergstr. 27: Montag 15.00 – 17.00 Uhr
Hörnitz, Zittauer Str. 12: Dienstag 16.00 – 18.00 Uhr
Waltersdorf Dorfstraße 75: Mittwoch 14.30 – 16.30 Uhr

Friedhofsangelegenheiten Hainewalde: Herr Andreas Großer Montags 15.00-17.00 Uhr im Hospital, am Kirchberg 6, in Hainewalde

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